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© Isabelle Golz, Potsdam Transfer

Digitale Wettbewerbsfähigkeit auf Knopfdruck? Das Potsdamer Startup Sectorlens im Gespräch 

Die Suche nach der passenden Software ist vor allem im Mittelstand ein oft zu kostspieliges Unterfangen, um es mit der nötigen Tiefe anzugehen. Doch wie vermeide ich teure Fehlentscheidungen und welche Software passt wirklich zu meinen Prozessen?  

Das Potsdamer Startup Sectorlens, das seit 2025 Teil des MediaTech Hub Accelerators ist, widmet sich mit seiner Lösung „Find-Your-Software“ genau diesem Problem. Mit einer einzigartigen Kombination aus strategischer Beratung und neurosymbolischer KI wollen sie die Wettbewerbsfähigkeit von KMUs nicht nur sichern, sondern massiv ausbauen.  

Wir haben mit Benedict Bender, einem der Co-Founder von Sectorlens, darüber gesprochen, wie ihre Technologie funktioniert, warum sie ChatGPT überlegen ist und wohin die Reise des Startups in den nächsten fünf Jahren geht. 

MTH Potsdam: 
Hallo und herzlich willkommen! Schön, dass du dir heute die Zeit genommen hast! Um unsere Leser direkt abzuholen: Wer genau seid ihr eigentlich und welches konkrete Problem löst ihr da draußen in den Unternehmen? 

Benedict Bender: 

 
Wir sind Sectorlens aus Potsdam und wir haben uns zum Ziel gesetzt, die digitale Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands nicht nur zu sichern, sondern massiv auszubauen. Das Problem, das wir lösen, ist strukturell: Viele KMU haben Weltklasse-Produkte, scheitern aber intern an ineffizienten Prozessen und einer IT-Landschaft, die nicht zu ihrem Geschäftsmodell passt. Oft fehlt intern die Expertise für komplexe Auswahlentscheidungen, und externe Beratung ist teuer und langsam. Wir schließen diese Lücke, indem wir das Beste aus strategischer Unternehmensberatung mit der Skalierbarkeit eines KI-Start-ups verbinden. Wir demokratisieren den Zugang zu digitaler Wettbewerbsfähigkeit: Was früher Monate dauerte und teure Berater erforderte, erledigt unsere Plattform in Minuten – datenbasiert und objektiv. 

MTH Potsdam:  
Das ist ein starkes Versprechen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Jetzt fragen sich unsere Leser sicher: „Moment, Suche durch KI? Kann das nicht auch ChatGPT?“ Könnt ihr uns erklären, was eure Engine bei der Suche nach Business-Software besser „versteht“ als die klassischen Sprachmodelle? Wo liegt der Unterschied, vielleicht an einem konkreten Beispiel? 

Benedict Bender: 

 
Der entscheidende Unterschied liegt in der Tiefe und der Herkunft der Daten. Ein Sprachmodell wie ChatGPT berechnet Wahrscheinlichkeiten von Wortfolgen. Unsere Engine berechnet die logische Passung von Geschäftsprozessen. Wir nutzen eine neurosymbolische KI: Diese kombiniert datengetriebenes Lernen mit festen Expertenregeln und Branchenlogik. Ein LLM kann halluzinieren oder generische Antworten geben. Unsere Engine hingegen greift auf die größte strukturierte Datenbank zu Software-Nutzungskontexten im deutschsprachigen Raum zurück, die wir über Jahre aufgebaut haben.  
Der konkrete Vorteil: Wir verstehen den Kontext. Wenn ein Fertiger in einer bestimmten Nische agiert, weiß unsere KI nicht nur, welche Software dort genutzt wird, sondern welche Funktionen (z. B. eine spezifische Losgrößenlogik) zwingend erforderlich sind und warum. Das ist Wissen, das großen LLMs in dieser Granularität fehlt – weshalb wir tatsächlich regelmäßig Anfragen erhalten, ob wir unsere Daten auch zum Verkauf anbieten. 

MTH Potsdam: 
Eure Vision ist es, professionelle Auswahlprozesse, die sich bislang vor allem große Konzerne leisten können, für eine breite Zielgruppe zugänglich zu machen. Wenn wir fünf Jahre in die Zukunft schauen: Ist Sectorlensdann der Standard-Anlaufpunkt für Investitionsentscheidungen in europäischen Unternehmen – oder wo zieht ihr selbst bewusst die Grenze eurer Rolle? 

Benedict Bender: 

 
In fünf Jahren soll kein Unternehmen mehr eine digitale Investitionsentscheidung treffen müssen, ohne vorher Sectorlens konsultiert zu haben. Wir sehen uns als das Navigationssystem für digitale Wettbewerbsfähigkeit. Aber wir ziehen die Grenze nicht bei der reinen „Auswahl“ (Selection). Unsere Vision geht weiter: Wir wollen den „Consulting Gap“ schließen – also die Lücke zwischen einem Konzept und der tatsächlichen Umsetzung sowie der kontinuierlichen Verbesserung. Sectorlens wird der Standard dafür sein, wie Unternehmen ihre digitale Roadmap planen, überwachen und justieren. Wir wollen, dass der Mittelstand technologisch nicht nur aufholt, sondern internationale Wettbewerber aus eigener Stärke überholt. 

MTH Potsdam: 
Einen Meilenstein habt ihr letztes Jahr hinter euch gelassen: Ihr wurdet 2025 mit dem Sonderpreis beim Brandenburger Innovationspreis ausgezeichnet. War das für euch vor allem eine „interne“ Bestätigung eurer Arbeit oder hat diese offizielle Auszeichnung auch ganz konkret dabei geholfen, Vertrauen bei neuen Kunden aufzubauen? 

Benedict Bender: 

 
Beides, aber der Vertrauensaspekt ist im B2B-Umfeld entscheidend. Wir arbeiten an einer strategisch sensiblen Stelle im Unternehmen – der IT-Architektur. Eine solche Auszeichnung ist ein enormer „Vertrauensanker“. Sie bestätigt potenziellen Kunden, dass hinter der KI nicht nur ein Hype steckt, sondern validierte, prämierte Technologie „Made in Brandenburg“. Für uns als Team war es ein echter Meilenstein und eine Bestätigung, dass wir ein relevantes Problem lösen. Ich kann jedem Start-up nur raten: Bewerbt euch! Diese Sichtbarkeit öffnet Türen, die man mit Kaltakquise nur schwer aufbekommt.  

MTH Potsdam: 
Wo wir gerade bei Türen sind, die sich schwer öffnen lassen: Gab es im Rahmen eurer Pitch-Phasen eine kritische, vielleicht sogar unangenehme oder überraschende Rückfrage, die euch dazu gebracht hat, euer Geschäftsmodell oder eure Kommunikation noch einmal nachzuschärfen? 

Benedict Bender: 

 
Ein Pitch ist ja nie wirklich „fertig“. Investoren unterziehen das Geschäftsmodell einem Stresstest – sie identifizieren zielsicher jede logische Lücke und jede Unschärfe. Eine wichtige Lektion war für uns die Erkenntnis, dass Investoren und Kunden unterschiedliche Sprachen sprechen. Während Kunden die funktionale Erleichterung suchen, suchen Investoren den „Product-Market-Fit“ und die Skalierbarkeit der Daten-Assets. Jede kritische Rückfrage hat uns gezwungen, präziser zu werden: Weg von allgemeinen Phrasen, hin zu messbarem Nutzen und klarer Differenzierung durch unsere proprietären Daten. Das hat unsere Kommunikation massiv geschärft. 

MTH Potsdam:  
Ein Thema, das für eure Kunden sicher spannend ist: Auf vielen Vergleichsportalen spielen Werbebudgets der Anbieter eine zentrale Rolle. Wie stellt ihr bei „Find-Your-Software“ sicher, dass ein „Hidden Champion“ genauso fair in der Ergebnisliste erscheint wie große Player – etwa SAP oder Microsoft – wenn er objektiv besser zum Bedarf des Kunden passt? 

Benedict Bender: 

 
Das ist unser zentrales Wertversprechen: Fundierte Entscheidungen durch Daten. Unsere Algorithmen sind blind für Werbebudgets. Das Ranking basiert vollständig auf der Passung („Fit“) zwischen den Anforderungen des Unternehmens und den Fähigkeiten der Software. Da wir unsere eigenen, kuratierten Datenbanken nutzen und nicht auf die Selbstauskunft der Anbieter in Marketingbroschüren angewiesen sind, können wir objektiv bewerten. Wenn ein spezialisierter Nischenanbieter die Prozesse eines Kunden besser abbildet als ein großer ERP-Riese, dann landet er auf Platz 1. Punkt. Das unterscheidet uns fundamental von werbefinanzierten Suchmaschinen. 

MTH Potsdam: 
Ihr sprecht oft davon, professionelle Unternehmensberatung zu ‚demokratisieren‘. Was bedeutet das konkret für einen Mittelständler, der sich bisher keine großen Strategieberater leisten konnte oder wollte? 

Benedict Bender: 

 
Es bedeutet, dass Exzellenz keine Frage des Budgets mehr ist. Bisher standen viele Unternehmen vor der Wahl: Entweder teure Berater für kurze Zeit oder gar keine Unterstützung. Wir ändern das radikal. Durch unseren hybriden Ansatz erhält jedes Unternehmen einen persistenten digitalen Partner, der rund um die Uhr verfügbar ist, tief in die eigenen Prozesse integriert ist und proaktiv auf Optimierungspotenziale hinweist. 

Für den Mittelständler heißt das: Er bekommt die analytische Power und das Methodenwissen eines Großkonzerns, aber zu einem Bruchteil der Kosten. Unsere Vision ist es, jedes Unternehmen zu befähigen, die beste Version seiner selbst zu werden. Wir schließen die Lücke zwischen Strategie und Execution, indem wir nicht nur Konzepte liefern, sondern die Umsetzung im Tagesgeschäft sicherstellen – dauerhaft und messbar. 

MTH Potsdam:  
Kommen wir noch einmal zurück nach Potsdam. Ihr arbeitet im MediaTech Hub in einem Umfeld voller Medien- und Technologieinnovationen. Inwiefern hat euch dieses spezielle Ökosystem konkret geholfen? Gab es Kontakte oder Formate, die ohne dieses Umfeld so nicht entstanden wären? 

Benedict Bender: 

 
Potsdam ist für uns der ideale Standort. Die Dichte an Exzellenz – Universität Potsdam, HPI, FH und der MediaTech Hub – ist einzigartig. Der MTH hat uns besonders dabei geholfen, unsere KI-Lösung („Deep Tech“) kommunikativ besser zu verpacken. Technologie ist nur so gut, wie man sie erklären kann. Durch das Ökosystem und das individuelle Coaching haben wir gelernt, unsere Innovation so zu präsentieren, dass sie verstanden wird. Zudem sind hier Partnerschaften und Pilotprojekte entstanden, die wir isoliert nie so schnell hätten aufgleisen können. 

MTH Potsdam:  
Gab es konkrete Impulse aus dem Accelerator-Programm, die ihr heute noch in eurer Produktentwicklung oder in eurer Go-to-Market-Strategie wiederfindet? 

Benedict Bender: 

 
Besonders in unserer Außendarstellung und dem „Packaging“ unserer neuen Produkte finden sich viele Impulse wieder. Der Accelerator hat uns geholfen, den Blick von der reinen Technik („Was kann das Tool?“) auf den Kundennutzen („Welches Problem löst es sofort?“) zu lenken. Das sieht man heute sehr stark daran, wie wir Find-Your-Software am Markt positionieren: als sofortige Lösung für einen konkreten Schmerzpunkt, zugänglich in nur 6Minuten. 

MTH Potsdam:  
Vielen Dank, Benedict, für diese spannenden Einblicke! Wir sind gespannt, wie es mit Sectorlens weitergeht.