Über das MediaTech Hub Accelerator Start-up SongPush hatten wir bereits im November 2023 hier im Blog berichtet. Damals haben wir mit Co-Founder und Co-CEO Markus Cremer vor allen Dingen über das Business-Modell gesprochen.
Ein kurzer Recap: Mit Hilfe der Plattform von SongPush sollen Musiker:innen und Content Creators, Musiklabels und Brands zusammengeführt werden. Hierfür bietet das Start-up einen digitalen Marktplatz, auf dem Absprachen zu Werbekampagnen, etwa bezüglich Lizenzvergabe und Vergütung, automatisiert werden. Wer mehr über das Geschäftsmodell, die Gründungsgeschichte und die Funktionsweise von SongPush erfahren möchte, kann hier noch einmal nachlesen.
Seit dem Interview sind zwei Jahre vergangen. Zeit, in der sich bei SongPush viel getan hat und Grund genug, um uns mit Markus Cremer erneut zusammenzusetzen und über die bisherigen Entwicklungen zu sprechen: über die Expansion in die UK Ende 2025, das geplante Rebranding und wertvolle Learnings, die er in dieser turbulenten Zeit als Gründer gesammelt hat. Außerdem: Welche Tipps hat er für andere Gründungsteams, die ebenfalls ein Rebranding oder eine Expansion anstreben? Mehr dazu im Interview.
MTH Potsdam:
Hallo Markus, schön, dass du dir erneut Zeit genommen hast. Vor zwei Jahren haben wir darüber berichtet, wie ‚SongPush‘ das Musikmarketing revolutioniert. Wenn wir heute eine neue Überschrift finden müssten: Wo steht ihr heute, und was beschäftigt euch dabei aktuell am meisten?
Markus Cremer:
Musik ist nach wie vor der zentrale Teil unserer Identität, weil Creator-Marketing ohne Musik schlicht nicht funktioniert. Aktuell beschäftigt uns vor allem, wie wir diese Geschwindigkeit und Skalierbarkeit für noch mehr Branchen nutzbar machen und wie wir Musik weiterhin als kreativen Treiber integrieren. Auch schauen wir uns nach unserem erfolgreichen UK-Launch weitere Märkte, unter anderem die USA, an.
MTH Potsdam:
Bevor wir gleich auch den Launch in der UK zurückkommen, würden wir gerne noch ein anderes Thema ansprechen: Denn, wenn wir über Social Media-Content und Musik reden, müssen wir zwangsläufig auch über AI-generated Content und Musik reden. Wie geht ihr damit um, dass vermehrt Content und Musik, die mittels KI erstellt wurden, verbreitet werden? Hatte das bereits einen Einfluss auf euer bisheriges Geschäftsmodell beziehungsweise wirkt sich das auch auf eure zukünftige Arbeit aus?
Markus Cremer:
AI-generated Content sehen wir grundsätzlich nicht als Bedrohung, sondern als Beschleuniger. Creator nutzen KI heute, um Ideen schneller umzusetzen oder ihren Stil zu verfeinern. Das passt zu unserer Grundidee von effizienter Content-Produktion!
Gleichzeitig bleibt authentischer Creator-Content unersetzbar, vor allem auf TikTok. Ein kleines Gedankenspiel: Der IBM Computer Deep Blue hat bereits um die Jahrtausendwende den Schachgroßmeister Garry Kasparow geschlagen. Trotzdem: Schach ist populärer als je zuvor und wir schauen ausschließlich Mensch vs Mensch, obwohl die KI klar besser ist. Am Ende interessieren sich Menschen immer für Menschen und das ist auf Social Media nicht anders. AI Content – beziehungsweise AI Slop – ist zwar gerade sehr verbreitet, aber ich bin skeptisch, ob das so bleiben wird. Natürlich habe ich aber auch keine Glaskugel!
MTH Potsdam:
Ihr bereitet gerade ein Rebranding vor, was ja immer ein gewisses Risiko birgt. Wie haben eure ursprünglichen Nutzer:innen reagiert? Und wie haben eure Investor:innen auf den Pivot und das Rebranding reagiert? Musstet ihr bei beiden viel Überzeugungsarbeit leisten?
Markus Cremer:
Einen Pivot würde ich das nicht nennen, eher eine Erweiterung. Das bisherige Feedback war tatsächlich ausschließlich positiv, da sich ja sowohl unseren Advertisern als auch Creators mehr Möglichkeiten eröffnen werden!
Ein festes Datum gibt es für das Rebranding bewusst noch nicht. Das wollen wir erst dann final ausrollen, wenn Produkt, Kommunikation und Marktpositionierung perfekt aufeinander abgestimmt sind. Ein bisschen wird das noch dauern.
MTH Potsdam:
Kommen wir nun zum zweiten großen Meilenstein: Ihr seid Ende letzten Jahres in den UK gestartet. Warum ausgerechnet Großbritannien, einer der härtesten und teuersten Märkte weltweit, und nicht ein ‚einfacherer‘ Nachbar?
Markus Cremer:
UK ist hinter den USA der wichtigste Musikmarkt und mit vielen internationalen Top-Artists das Tor in die Welt. Auch die starke Präsenz aller Record Labels sowie eine noch höhere Dichte an Content Creators waren am Ende ausschlaggebend für die Entscheidung!
Wir sind bereits in der Schweiz & Österreich aktiv und konnten dort die ersten Erfahrungen für einen Country-Launch sammeln.
MTH Potsdam:
Wie habt ihr den Launch operativ gestemmt? Habt ihr ein Team vor Ort in London aufgebaut oder steuert ihr die Expansion remote aus Berlin?
Markus Cremer:
Hier ist Vorbereitung alles. Etwa 90% des Workloads fällt in den Wochen & Monaten vor dem Launch-Day an. Wir haben das Glück, unsere Expansion zentral aus Berlin steuern zu können, das hilft definitiv in der Execution mit dem Team. Ein Office in London gibt es bisher noch nicht, aber es ist in Zukunft geplant!
MTH Potsdam:
Wenn morgen ein deutsches Startup anklopft und sagt: „Wir wollen in einem Jahr nach UK und gleichzeitig ein Rebranding durchziehen“, welche drei konkreten Ratschläge würdet ihr geben?
Markus Cremer:
Erstens, Planung ist alles! Wir haben es in vier Phasen aufgeteilt, um die Timeline besser zu steuern (Divide & Conquer). Zweitens, 30 Prozent Puffer bei der Planung lassen, besonders Legal- & Tax-Prozesse dauern immer länger als erwartet. Und drittens, Timing! Phasen mit viel Buzz wie Black Friday oder Ähnliches am besten vermeiden.
MTH Potsdam:
Zwei Jahre Transformation, Rebranding und Internationalisierung fordern viel Ausdauer. Was waren die Momente, in denen euer Durchhaltevermögen wirklich auf die Probe gestellt wurde und was genau hat dafür gesorgt, dass ihr trotzdem weitergemacht habt?
Markus Cremer:
Auch wenn Wachstum im Start-up wirklich viel erfordert, steht der Spaß bei uns immer an erster Stelle. Für uns ist das ein Marathon & kein Sprint und wir sehen SongPush auch als Hobby. Auch gewöhnt man sich als Gründer irgendwann an konstantes Probleme lösen. (lacht)
MTH Potsdam:
Wie sieht dein Arbeitsalltag als Gründer heute im Vergleich zu 2023 aus? Welche Aufgaben hast du bewusst abgegeben, und welche neuen Kompetenzen brauchtest du, um vom „Macher“ zum CEO eines international skalierenden Produkts zu werden?
Markus Cremer:
Auch wenn ich als Gründer viele Operations ans Team abgeben konnte, war ich besonders auf der GTM-Seite in UK noch sehr eingebunden. Wichtige Calls, Verhandlungen oder Platform Demos mache ich bewusst noch selber!
Kern-Skill: Konstant erkennen lernen, an welchen Stellen du als Gründer/CEO die größte Hebelwirkung hast. Alles andere knallhart delegieren oder ignorieren!
MTH Potsdam:
Welche Hypothese über euer Business oder eure Zielgruppe hat sich in den letzten zwei Jahren als falsch herausgestellt – und welche Konsequenz habt ihr daraus gezogen?
Markus Cremer:
Wir dachten zu lange, dass unsere Version von Creator-Marketing vor allem für Musik funktioniert und andere Branchen schwerer zu überzeugen wären. Das Gegenteil ist aber der Fall. Marken aus ganz unterschiedlichen Verticals sind extrem offen für unseren skalierbaren Ansatz und investieren teilweise deutlich höhere Budgets. Die Konsequenz daraus: Unser anstehendes Rebranding als Erweiterung!
MTH Potsdam:
Wenn wir in drei Jahren wieder sprechen: Woran würdest du festmachen, dass ihr eure Vision erreicht habt? Und welche eine Sache hättest du dir 2021 als Gründer gerne von deinem zukünftigen Ich erklären lassen?
Markus Cremer:
Für uns gibt es keine klare Metrik, die Erfolg bedeutet. Mich als Gründer würde es extrem glücklich machen, in allen relevanten (Musik)-Märkten der Welt zu sein und eine stark profitable Firma zu führen!
Ratschlag an mein Ich aus 2021: Mehr Stunden bedeuten nicht zwangsweise mehr Produktivität. Abstand vom Start-up führt bei mir persönlich zu besseren, strategischen Entscheidungen.
MTH Potsdam:
Markus, herzlichen Dank für das Gespräch!